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Wenn Versöhnung nicht mehr möglich ist: Ratgeber für Eltern

Kontaktabbruch - ein Vater sitzt alleine auf einer langen Sitzbank
Familienkonflikte gehören zum Familienleben. In manchen Phasen geraten Eltern und ihre Kinder häufiger aneinander. Die einen ziehen sich deshalb zurück und brauchen einfach mehr Abstand. Oft lässt sich eine solche Situation mit einem Gespräch klären. Es gibt aber auch Konflikte, die sich über längere Zeit festsetzen und schliesslich zu einem Kontaktabbruch führen.
Über die Autorin / den Autor Verein netz-familie.ch
Stephan Gallati
Erzieher & Sozialpädagoge – Initiant des Projektes "Engagement für Familieninhalte"
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Wenn Eltern und Kinder keinen Weg mehr zueinander finden

Ein solcher Rückzug kann sich bereits in der Pubertät abzeichnen. Ein Jugendlicher spricht kaum noch mit seinen Eltern, verbringt möglichst wenig Zeit zu Hause oder möchte bestimmte wichtige Themen nicht mehr diskutieren. Auch junge Erwachsene reduzieren oftmals den Kontakt zu den Eltern, wenn sie beginnen, ihr eigenes Leben aufzubauen. Bei bereits erwachsenen Kindern können alte Konflikte, unterschiedliche Vorstellungen vom Leben oder langjährige Verletzungen immer bedeutsamer werden.


Ein Kontaktabbruch muss nicht zwingend vom Kind ausgehen. Eltern können ebenfalls an einen Punkt kommen, an dem sie den Kontakt nicht mehr weiterführen möchten. Sie fühlen sich beispielsweise wiederholt verletzt, nicht respektiert oder mit Verhaltensweisen konfrontiert, die sie nicht länger hinnehmen wollen.

Nicht jeder Rückzug bedeutet einen Kontaktabbruch

Gerade bei Jugendlichen ist es wichtig, zwischen Abgrenzung und einem tatsächlichen Beziehungsabbruch zu unterscheiden. In der Pubertät verändern sich Bedürfnisse und Prioritäten fortlaufend. Jugendliche möchten plötzlich mehr Privatsphäre, sie verbringen mehr Zeit mit Freundinnen und Freunden und entscheiden zunehmend selbst, wie sie ihren Alltag gestalten möchten.

Wenn ein Teenager lieber im eigenen Zimmer bleibt oder nicht mehr bei jeder Familienaktivität dabei sein möchte, sagt das allein noch wenig über die Beziehung zu den Eltern aus. Auch junge Erwachsene möchten oft mehr Distanz. Ausbildung, Studium, Beruf, Partnerschaft und ein eigener Freundeskreis verändern den bisherigen Familienalltag grundsätzlich.


Anders ist es, wenn der Rückzug über längere Zeit anhält und von wiederkehrenden Konflikten begleitet wird. Werden Gespräche ständig abgebrochen, Nachrichten nicht mehr beantwortet oder Treffen konsequent vermieden, sollten Eltern die Situation ernst nehmen.


Lesetipp: Mein Kind zieht sich zurück – normale Pubertät oder Warnsignal?



Folgende Fragen können dabei helfen, die Situation besser zu verstehen:

  • Seit wann hat sich unsere Beziehung grundsätzlich verändert?
  • Was ist seitdem passiert?
  • Gibt es etwas, das mein Kind schon länger ansprechen wollte und ich bis anhin dafür kein offenes Ohr gehabt habe?

Solche Fragen sprechen nicht automatisch den Eltern die Verantwortung zu. Sie helfen einfach, die eigene Rolle im Konflikt besser zu erkennen.

Wenn ein Jugendlicher keinen Kontakt mehr möchte

Im Streit verwenden Jugendliche manchmal sehr harte Worte. „Ich will nichts mehr mit euch zu tun haben“ oder „Ich hasse euch“. Dies kann Eltern sehr verletzen und verunsichern. Solche Aussagen sollte man als Eltern ernst nehmen, ohne jedoch fortan jede Äusserung des Jugendlichen sofort als endgültige Entscheidung zu interpretieren.


Hier unsere Tipps:

  • Ein Gespräch mitten in einer Eskalation führt häufig nicht weiter. Es kann sinnvoll sein, die aufgeladene Auseinandersetzung zunächst zu beenden und später wieder aufzugreifen: „Wir sind gerade beide zu wütend. Wir sprechen morgen weiter.“
  • Gleichzeitig sollten Eltern nicht versuchen einen länger anhaltenden Rückzug einfach mit der Pubertät zu erklären. Wenn sich ein Jugendlicher deutlich verändert, sich immer weiter isoliert, kaum noch kommuniziert oder weitere Schwierigkeiten hinzukommen, sollte die Situation genauer angeschaut werden. Auch Unterstützung von aussen kann in einer solchen Situation sehr hilfreich sein. Familien- & Jugendberatungsstellen aber auch die Schule können weiter helfen.

Wir merken uns:

Auch in schwierigen Lebensphasen brauchen Jugendliche ein offenes Ohr und Orientierung. Eltern dürfen Regeln setzen und Grenzen formulieren. Wichtig ist aber, dass der/die Jugendliche dabei weiterhin als eigenständige Person ernst genommen wird.

Wenn junge Erwachsene Abstand suchen

Mit dem Übergang ins Erwachsenenleben verändert sich auch die Beziehung zu den Eltern. Junge Erwachsene wollen ihre Ausbildung, ihren Beruf, ihre Partnerschaft und ihren Alltag zunehmend selbst bestimmen. Finanzielle Fragen und die Wohnsituation können hierbei jedoch zwischen jungen Erwachsenen und ihren Eltern zu Konflikten führen.

Eltern möchten in dieser Phase meist weiterhin ihr Kind unterstützen. Für den Sohn oder die Tochter kann jedoch eine solche Unterstützung bereits wie eine Einmischung wirken. Besonders häufig entstehen Spannungen, wenn Eltern ihre eigenen Vorstellungen mit den Entscheidungen des jungen Erwachsenen verbinden. Deshalb ist es für Eltern wichtig, zwischen Unterstützung und Kontrolle zu unterscheiden.


Webtipp: Elternportal | Wissen, Tipps & Unterstützung für den Familienalltag


Wenn Eltern selbst den Kontakt abbrechen

Nicht nur Kinder können den Kontakt reduzieren oder ganz abbrechen. Auch Eltern können entscheiden, eine Beziehung vorübergehend oder dauerhaft auf Abstand zu setzen. Das kann auch gegenüber erwachsenen Kindern vorkommen, wenn Konflikte über Jahre bestanden haben und Grenzen wiederholt verletzt wurden.


Eltern müssen sich nicht alles gefallen lassen. Sie dürfen klar sagen, welches Verhalten sie nicht akzeptieren, und sie können sich aus einer Situation zurückziehen, die sie nur anhaltend belastet.

Bei minderjährigen Kindern ist die Ausgangslage anders. Eltern tragen weiterhin Verantwortung für ihre Kinder. Sie können eine Auseinandersetzung unterbrechen, eine Pause einlegen oder sich Hilfe holen. Ein vollständiger Kontaktabbruch ist damit nicht gleichzusetzen.

Das kann helfen: „Wir reden heute nicht weiter, weil wir uns nur noch verletzen. Morgen versuchen wir es nochmals“. Solche Aussagen halten Beziehungen offen. Hingegen ein Satz wie: „Für mich bist du gestorben“ ist eine harte Aussage, die später nur schwer zurückgenommen werden kann.

Kontaktabbruch als Schutz- oder Bestrafungsmassnahme?

Wenn Eltern den Kontakt zu einem erwachsenen Kind abbrechen möchten, lohnt sich zuerst eine ehrliche Prüfung der eigenen Beweggründe. Brauche ich Abstand, weil mir die Beziehung schadet? Oder möchte ich mit dem Kontaktabbruch erreichen, dass mein Kind seine Schuld erkennt, sich schuldig fühlt und sich dann endlich entschuldigt?

Wir merken uns:

  • Ein Kontaktabbruch zu seinem eignen Schutz kann unter gewissen Bedingungen durchaus notwendig sein.
  • Ein Kontaktabbruch als Strafmassnahme ist jedoch definitiv keine Lösung – eine Verschärfung des Konflikts ist vorprogrammiert.


Die Motive sind nicht immer eindeutig. Wut, Enttäuschung und das Bedürfnis nach Schutz können gleichzeitig vorhanden sein. Trotzdem ist es hilfreich, vor einer endgültigen Entscheidung zu überlegen, was der Kontaktabbruch tatsächlich verändern soll.

Den eigenen “Schuldanteil” am Konflikt erkennen

Bei einem Streit mit dem eigenen Kind richten sich die Gedanken zunächst oft auf das Verhalten des Kindes. Trotzdem lohnt es sich, sein eigenes Verhalten ebenfalls anzuschauen. Das bedeutet nicht, dass Eltern automatisch die Verantwortung für den gesamten Konflikt tragen müssen. Es geht dabei nur um den eigenen Anteil.

Fragen zur eigenen Situation, die helfen können

  • Habe ich meinem Kind wirklich zugehört? Oder habe ich bereits nach einer Antwort gesucht, bevor es ausreden konnte?
  • Habe ich seine Sicht der Dinge ernst genommen? Auch dann, wenn ich anderer Meinung war?
  • Habe ich Entscheidungen für mein Kind treffen wollen, obwohl es selbst entscheiden wollte?
  • Habe ich im Streit Dinge gesagt, die verletzend waren?
  • Habe ich mich für meinen eigenen Anteil am Konflikt entschuldigt?

Eine solche Selbstprüfung kann helfen, festgefahrene Konflikte besser zu verstehen. Sie verlangt nicht, einfach alle Forderungen des Kindes unkritisch zu erfüllen. Sie schafft aber die Grundlage dafür, die eigene Verantwortung dort zu übernehmen, wo sie tatsächlich liegt.


Webtipp: Meine Mutter schlägt meinen Vater – ein Tabuthema


Wenn Eltern auf eine Entschuldigung warten

Nach einer schweren Verletzung erwarten viele Eltern zunächst eine Entschuldigung des Kindes. Das ist verständlich. Wer sich verletzt fühlt, möchte nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
Schwierig wird es, wenn die eigene Zukunft vollständig von dieser Entschuldigung abhängt. Dann bleibt die Situation auf unbestimmte Zeit in der Hand des anderen.

Hier kann eine ehrliche Antwort auf folgende Frage weiterhelfen:

Was brauche ich, um mit der Situation leben zu können, wenn diese Entschuldigung nicht kommt?

Für manche Eltern bedeutet dies zunächst Abstand. Andere möchten zu einem späteren Zeitpunkt ihrer Tochter/ihrem Sohn einfach nur einen klärenden Brief schreiben oder sie suchen das Gespräch mit einer aussenstehenden Vertrauensperson für neue Lösungsansätze.

Eine Entschuldigung kann viel neue Hoffnung geben, aber erzwingen lässt sie sich nicht.

Eine Entschuldigung ohne „aber“

Wenn Eltern erkennen, dass sie ihr Kind verletzt haben, sollte eine Entschuldigung möglichst beim eigenen Verhalten bleiben. Also nicht: „Es tut mir leid, aber du hast damals auch …“ verbindet die Entschuldigung sofort wieder mit einem Vorwurf.

Besser ist eine klare Aussage: „Ich habe verstanden, dass ich dich damit verletzt habe. Das tut mir leid. Ich möchte Verantwortung für meinen Anteil übernehmen.“

Damit ist der Konflikt nicht automatisch gelöst. Das Kind kann nach einem solchen Gespräch weiterhin keinen Kontakt wünschen.

Eine Entschuldigung ist keine Garantie dafür, dass der andere einem vergibt oder wieder Nähe zulässt.

Verzeihen und Versöhnung sind nicht dasselbe

Verzeihen und Versöhnung werden häufig gleichgesetzt. Sie beschreiben aber unterschiedliche Prozesse.

  • Verzeihen betrifft die eigene Verarbeitung einer Verletzung.
  • Versöhnung betrifft die Beziehung zwischen zwei Menschen. Eltern und Kinder können gleichermassen Vergebung empfinden und trotzdem bestimmte Grenzen beibehalten. Sie können den Kontakt wieder aufnehmen und gleichzeitig festlegen, welche Themen sie zunächst nicht besprechen möchten.

Auch eine Versöhnung ist möglich, wenn auch noch nicht jede Verletzung verarbeitet wurde. Wichtig ist dabei, dass beide Seiten wissen, was sie von nun an voneinander erwarten können.


Lesetipp: Versnobte Jugendliche: Ursachen verstehen und richtig reagieren


Wenn beide Seiten nicht nachgeben

Besonders festgefahren sind Konflikte, wenn Eltern und Kind jeweils darauf warten, dass die andere Seite den ersten Schritt macht. Die Eltern denken: „Unser Kind hat uns verletzt. Warum sollen wir uns melden?“ Das Kind denkt möglicherweise: „Meine Eltern haben mich verletzt. Warum sollte ich auf sie zugehen?“ So kann der Kontakt schleichend abbrechen.

Ein erster Schritt bedeutet nicht automatisch, dass man die gesamte Schuld übernimmt. Eine kurze Nachricht kann zunächst nur signalisieren, dass ein Gespräch grundsätzlich noch möglich ist: „Ich weiss, dass zwischen uns vieles passiert ist. Ich bin noch nicht bereit, alles zu klären, aber ich möchte die Möglichkeit für ein Gespräch nicht ausschliessen.“

Wenn Eltern einen Kontaktabbruch später bereuen

Manche Eltern bewerten ihre Entscheidung nach einiger Zeit anders. Vielleicht war die Situation damals besonders aufgeladen. Vielleicht war der Kontaktabbruch eine Reaktion auf eine lange Reihe von Konflikten. Oder die familiäre Situation hat sich inzwischen verändert. Dadurch kann ein neuer Kontaktversuch möglich werden.

Eine sachliche Nachricht könnte lauten: „Ich habe damals den Kontakt zu dir abgebrochen. Heute sehe ich einige Dinge anders und möchte meinen eigenen Anteil daran nicht ausblenden. Wenn du irgendwann bereit bist, würde ich gerne mit dir sprechen. Ich respektiere auch, wenn du das nicht möchtest.“

Mehr ist zunächst nicht nötig. Denn der/die Jugendliche oder junge Erwachsene muss selber entscheiden können, ob und wann er reagieren möchte.

Wenn das Kind wieder Kontakt aufnehmen möchte

Auch ein Kind, ein Jugendlicher oder ein erwachsenes Kind kann nach längerer Zeit wieder Kontakt suchen. Eltern müssen dann nicht so tun, als sei nichts geschehen.

Erleichterung und Freude können neben Unsicherheit, Misstrauen oder alten Verletzungen stehen. Ein langsamer Neubeginn kann deshalb sinnvoll sein. Ein SMS, ein Telefonat oder ein kurzes Treffen können der erste Schritt sein.

Wir merken uns: Nicht jedes vergangene Problem muss beim ersten Kontakt geklärt werden. Zunächst kann es darum gehen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und zu sehen, ob ein respektvoller Umgang möglich ist.

Die Beziehung muss danach nicht genauso funktionieren wie früher. Weniger Kontakt, klarere Grenzen oder eine andere Gesprächskultur können für beide Seiten besser passen.


Themenlink: Essstörungen bei Jugendlichen: Warnzeichen erkennen und als Familie richtig handeln


Wenn Enkelkinder betroffen sind

Bricht der Kontakt zwischen Eltern und der erwachsenen Tochter oder Sohn ab, kann auch die Beziehung zu Enkelkindern beeinträchtigt werden. Für Grosseltern ist das oft besonders schmerzhaft.

Grosskinder sollten dabei nicht zu Vermittlern werden. Aussagen wie „Deine Mutter lässt mich nicht zu dir“ oder „Dein Vater will nicht, dass du mich siehst“ bringen sie in einen Loyalitätskonflikt.


Auch heimliche Nachrichten oder Treffen können den Konflikt verschärfen, wenn die Eltern des Kindes keinen Kontakt wünschen.

Grosseltern dürfen ihre Trauer über die Situation trotzdem ernst nehmen. Erinnerungen, Fotos oder Briefe können dabei helfen, die eigenen Gefühle zu verarbeiten. Ein Brief muss nicht abgeschickt werden.

Wenn die Versöhnung nicht mehr möglich ist

Nicht jede Familienbeziehung lässt sich wieder herstellen. Manchmal fehlt das Vertrauen, die Verletzungen sitzen einfach zu tief oder eine Seite möchte dauerhaft keinen Kontakt mehr.

Für Eltern ist das schwer. Trotzdem hilft es, zwischen dem eigenen Einflussbereich und den Entscheidungen des anderen zu unterscheiden.

Eltern können zuhören, den eigenen Anteil prüfen, sich entschuldigen, Grenzen setzen und Unterstützung anbieten. Sie können einen Gesprächsversuch machen und eine Tür offenlassen.

Eltern können nicht verlangen, dass ein Jugendlicher, junger Erwachsener oder erwachsenes Kind zurückkommt.


Auch Eltern müssen nicht jede Beziehung um jeden Preis weiterführen. Bei Bedrohungen, Gewalt oder schweren Grenzverletzungen kann auch dauerhaften Abstand notwendig werden.


Eine Versöhnung sollte deshalb nicht das einzige Ziel sein. Entscheidend ist zunächst, wie die Beteiligten mit der bestehenden Situation umgehen und welche Grenzen für einen sicheren und respektvollen Kontakt notwendig sind.

Das eigene Leben darf weitergehen

Ein Familienkonflikt kann sehr viel Raum einnehmen. Gedanken drehen sich immer wieder um das Geschehene, um mögliche Fehler und um die Frage, ob sich die Beziehung noch verändert.
Trotzdem bleiben andere Lebensbereiche wichtig. Freundschaften, Partnerschaft, Arbeit, Freizeit und andere Familienbeziehungen dürfen weiter ihren Platz haben. Eltern dürfen ihr Kind vermissen und gleichzeitig einen guten Tag erleben.

Auch wenn die Zukunft der Beziehung offen ist, muss das eigene Leben nicht warten.


Lesetipp: Eltern werden im Jugendalter: Herausforderung und Unterstützung


Wann Unterstützung sinnvoll ist

Wenn ein Familienkonflikt über längere Zeit besteht, Gespräche immer wieder eskalieren oder der Kontakt vollständig abgebrochen ist, kann eine neutrale Fachperson entlasten.
Je nach Situation kommen Familienberatung, Erziehungsberatung, Jugendberatung oder Psychotherapie infrage. Bei Jugendlichen sollte besonders darauf geachtet werden, ob der Rückzug von weiteren Veränderungen begleitet wird.

Beratungsstellen & Notfalladressen in der Schweiz - für Kinder, Jugendliche und Eltern

Auch Eltern können sich Unterstützung holen. Dafür muss nicht zuerst feststehen, wer im Recht ist. Eine Beratung kann helfen, die Situation zu ordnen, die eigene Rolle zu verstehen und mögliche nächste Schritte zu überlegen.

Fazit

Wenn sich eine Jugendliche, ein Jugendlicher oder junger Erwachsener zurückzieht, sollten Eltern nicht vorschnell von einem endgültigen Kontaktabbruch ausgehen. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene brauchen mehr Eigenständigkeit, was natürlich die Beziehung zu den Eltern massgeblich verändern kann.

Wird der Kontakt jedoch über längere Zeit immer weniger oder bricht er vollständig ab, lohnt sich eine genaues Hinschauen.

Eltern dürfen dabei die eigenen Grenzen ernst nehmen und gleichzeitig prüfen, welchen Anteil sie selbst am Konflikt haben.

Wer einen Fehler erkennt, kann sich entschuldigen. Wer verletzt wurde, darf Grenzen setzen. Wer Abstand braucht, kann ihn benennen. Und wer den Kontakt vermisst, kann einen ersten Schritt machen, ohne damit die gesamte Verantwortung für den Konflikt übernehmen zu müssen.

Eine Versöhnung lässt sich nicht erzwingen. Was Eltern beeinflussen können, ist der eigene Umgang mit dem Konflikt: zuhören, Verantwortung übernehmen, Grenzen respektieren und bei Bedarf Unterstützung annehmen.

Ob daraus wieder Nähe entsteht, ein vorsichtiger Kontakt möglich wird oder die Beziehung auf Distanz bleibt, hängt von beiden Seiten ab.

Im Elternforum mitdiskutieren

Im Elternforum von netz-familie.ch könnt ihr eure Erfahrungen teilen, Fragen stellen und euch mit anderen Eltern austauschen. Ihr müsst eine solche Situation nicht alleine bewältigen. Vielleicht hilft eure Geschichte auch anderen Familien, sich verstanden zu fühlen und einen eigenen Weg im Umgang mit dieser schwierigen Situation zu finden.