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Wenn sich eine Lehrperson über dich lustig macht: So kannst du reagieren

Ein Lehrer steht im Klassenzimmer und lacht über eine Schülerin, die sichtlich betroffen und traurig an ihrem Platz sitzt, während die Mitschüler im Hintergrund arbeiten.
Du meldest dich im Unterricht, weil du glaubst, die richtige Antwort zu kennen. Kaum hast du diese ausgesprochen, merkst du, dass dir ein Fehler unterlaufen ist. Die Lehrperson lächelt und sagt: «Na, das war jetzt aber eine Meisterleistung.» Einige aus der Klasse lachen. Vielleicht lächelst du mit, obwohl dir überhaupt nicht danach ist. Am liebsten würdest du in diesem Moment einfach im Boden versinken. Der Unterricht geht weiter, doch bei dir bleibt etwas hängen. Auf dem Heimweg geht dir die Bemerkung des Lehrers immer wieder durch den Kopf. War das wirklich nur ein Witz? Haben wirklich alle über mich gelacht? Oder mach ich mir zu viele Gedanken?
Über die Autorin / den Autor Redaktion netz-familie.ch
Stephan Gallati
Erzieher & Sozialpädagoge – Initiant des Projektes "Engagement für Familieninhalte"
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Wenn du diesen Beitrag liest, hast du vielleicht selbst etwas Ähnliches erlebt. Solche Situationen kommen häufiger vor, als viele Erwachsene vermuten. Was für die eine Person ein lockerer Spruch ist, kann bei einer anderen lange nachwirken.

Humor gehört selbstverständlich zum Schulalltag. Eine Klasse darf gemeinsam lachen, und viele Lehrpersonen schaffen mit ihrer offenen Art eine angenehme Lernatmosphäre. Schwierig wird es jedoch, wenn ein Witz auf Kosten einer einzelnen Person geht. Wer sich ausgelacht oder vor der Klasse blossgestellt fühlt, erlebt den Moment meist ganz anders als alle anderen.

Worte können länger nachwirken, als man denkt

In der Schule geht es nicht nur um Mathematik, Sprachen oder Naturwissenschaften. Hier verbringst du einen grossen Teil deines Tages, schliesst Freundschaften, meisterst Herausforderungen und sammelst Erfahrungen, die dich prägen.

Gerade deshalb haben Worte Gewicht. Eine Bemerkung einer Lehrperson wird oft anders wahrgenommen als ein Spruch unter Mitschülerinnen und Mitschülern. Lehrpersonen begleiten deinen Schulalltag, beurteilen Leistungen und übernehmen Verantwortung für ihre Klasse. Das verleiht ihren Aussagen eine besondere Bedeutung.

Ein ironischer Kommentar ist deshalb manchmal mehr als nur ein kurzer Moment. Manche Jugendliche erzählen später, dass sie sich danach kaum noch gemeldet haben. Andere entwickeln vor einem bestimmten Fach ein ungutes Gefühl oder hoffen, während der ganzen Lektion nicht dranzukommen.

Wann wird aus Humor etwas Verletzendes?

Nicht jeder Scherz ist automatisch respektlos. Viele Witze sorgen für gute Stimmung und lockern den Unterricht auf. Entscheidend ist aber, wie sie bei den Beteiligten ankommen.

Lachen alle gemeinsam und fühlt sich niemand angegriffen, spricht meistens nichts dagegen. Anders sieht es aus, wenn eine Person regelmässig zum Mittelpunkt wird oder nach einer Bemerkung beschämt zurückbleibt.

Für solche Aussagen wird oft der Begriff Sarkasmus verwendet. Gemeint sind spöttische oder bissige Bemerkungen, die zwar humorvoll klingen können, bei der betroffenen Person jedoch Unsicherheit oder Scham auslösen.

Deshalb hilft der Satz «Das war doch nur Spass» nicht immer weiter. Eine Aussage kann gut gemeint gewesen sein und trotzdem verletzen. Beides schliesst sich nicht aus.

Fehler sind kein Grund, sich zurückzuziehen

Jeder Mensch macht Fehler. Das gilt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermassen. Genau deshalb gibt es die Schule: Niemand muss von Anfang an alles wissen oder jede Aufgabe fehlerfrei lösen.

Wer sich traut, Fragen zu stellen, Neues auszuprobieren und auch einmal danebenliegt, lernt meist mehr als jemand, der aus Angst vor einer falschen Antwort lieber schweigt.

Vielleicht kennst du das selbst. Nach einer unangenehmen Situation meldest du dich plötzlich seltener, obwohl du die Antwort kennst. Nicht weil du weniger kannst, sondern weil du vermeiden möchtest, noch einmal vor der Klasse in eine ähnliche Lage zu geraten.

Genau hier beginnt ein Kreislauf, der das Lernen erschweren kann. Aus Unsicherheit wird Zurückhaltung. Aus Zurückhaltung entstehen verpasste Chancen, weil du dein Wissen nicht mehr zeigst oder Fragen für dich behältst.

Vor der Klasse blossgestellt – ein Gefühl, das viele kennen

Jonas erinnert sich noch heute an eine Geschichtsstunde. Er verwechselte zwei Jahreszahlen. Die Lehrperson reagierte mit einem ironischen Kommentar, einige Schülerinnen und Schüler lachten und schon wenige Augenblicke später lief der Unterricht weiter.

Für die meisten der Klassenkollegen war die Situation schnell vergessen. Jonas dachte jedoch noch tagelang daran. Er meldete sich in den folgenden Wochen kaum noch, obwohl ihn das Fach eigentlich interessierte. Nicht die falsche Antwort belastete ihn, sondern das Gefühl, vor der Klasse blossgestellt worden zu sein.

Genau das berichten viele Jugendliche. Es ist oft nicht der Fehler selbst, der verunsichert, sondern die Reaktion darauf.

Deine Gefühle sind wichtig

Vielleicht fragst du dich, ob du überreagierst. Diese Frage stellen sich viele Jugendliche nach einer unangenehmen Situation.

Doch Gefühle lassen sich nicht einfach wegdiskutieren. Wenn dich eine Bemerkung beschäftigt, wenn du vor bestimmten Lektionen nervös wirst oder dich nicht mehr traust, dich zu melden, solltest du das ernst nehmen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Lehrperson dich absichtlich verletzen wollte. Es bedeutet aber, dass die Situation für dich belastend geworden ist. Und genau darüber darfst du sprechen.

Wann solltest du etwas unternehmen?

Nicht jede unüberlegte Bemerkung bedeutet, dass eine Lehrperson respektlos ist. Auch Erwachsene sagen manchmal etwas, das sie im Nachhinein anders formulieren würden. Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelner Vorfall, sondern ob sich solche Situationen wiederholen.

Vielleicht fällt dir auf, dass du dich vor einem bestimmten Fach unwohl fühlst. Vielleicht hoffst du jedes Mal, nicht aufgerufen zu werden, oder überlegst dir dreimal, ob du dich überhaupt melden sollst. Manche Jugendliche bekommen sogar Bauchschmerzen, bevor sie in eine bestimmte Lektion gehen.

Solche Reaktionen solltest du nicht einfach als «normal» abtun. Schule darf anstrengend sein, sie darf dich herausfordern und manchmal auch frustrieren. Sie sollte dir aber keine Angst machen.

Schweigen macht die Situation oft nicht besser

Viele Schülerinnen und Schüler erzählen zunächst niemandem, was passiert ist. Sie möchten kein grosses Thema daraus machen oder haben Sorge, dass ihnen niemand glaubt. Manche denken auch, andere würden sie für überempfindlich halten.

Mit der Zeit können sich solche Gedanken in unserem Denken festsetzen. Aus einer unangenehmen Erfahrung werden Selbstzweifel. Vielleicht beginnst du, dir selbst weniger zuzutrauen oder glaubst, dass deine Antworten ohnehin falsch sind.

Dabei ist genau das häufig nicht der Fall. Oft fehlt nur jemand, der zuhört und dir zeigt, dass deine Reaktion nachvollziehbar ist.

Suche das Gespräch – wenn es sich für dich richtig anfühlt

Es braucht Mut, einer Lehrperson zu sagen, dass eine ihrer Bemerkungen dich verletzt hat. Gleichzeitig kann genau dieses Gespräch Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Wähle möglichst einen ruhigen Moment nach dem Unterricht und bitte die Lehrperson um ein kurzes Gespräch. Schildere der Lehrperson genau, welche Situation im Unterricht dich verletzt oder verunsichert hat.

Du könntest zum Beispiel sagen:

«Ich möchte Ihnen etwas erzählen, das mich beschäftigt. Nach Ihrer Bemerkung im Unterricht hatte ich das Gefühl, dass die ganze Klasse über mich gelacht hat.»

Oder:

«Mir fällt es seitdem schwer, mich wieder zu melden. Ich wollte, dass Sie wissen, warum.»

Mit solchen Formulierungen beschreibst du deine Sicht der Dinge. Das schafft eine gute Grundlage für ein offenes Gespräch mit deinem Lehrer/deiner Lehrerin.

Manchmal hilft schon eine ehrliche Rückmeldung

Aylin traute sich wochenlang nicht, etwas zu sagen. Immer wieder machte ihre Lehrperson ironische Bemerkungen, wenn jemand eine falsche Antwort gab. Irgendwann sprach sie mit der Schulsozialarbeiterin, die ihr Mut machte, das Gespräch zu suchen.

Als Aylin ihrer Lehrperson erklärte, wie sie die Situation erlebt hatte, reagierte diese überrascht. Sie hatte ihre Bemerkungen als harmlosen Humor verstanden und nicht bemerkt, dass sie einzelne Schülerinnen und Schüler verunsicherten.

Nach diesem Gespräch änderte sich der Umgangston spürbar. Aylin meldete sich nach und nach wieder häufiger und fühlte sich im Unterricht deutlich wohler.

Natürlich verläuft nicht jedes Gespräch so. Trotzdem zeigt dieses Beispiel, dass es sich lohnen kann, offen über schwierige Situationen zu sprechen.

Du musst das Problem nicht alleine lösen

Vielleicht fühlst du dich innerlich noch nicht bereit für ein solches Gespräch mit deiner Lehrperson. Das ist völlig in Ordnung. Es gibt auch andere Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen.

Sprich mit einer Person, der du vertraust. Das können deine Eltern sein, eine Klassenlehrperson, die Schulsozialarbeit oder eine andere erwachsene Person, bei der du dich verstanden fühlst.

Gemeinsam fällt es oft leichter einzuschätzen, wie ernst die Situation ist und welcher nächste Schritt sinnvoll sein könnte.

Hilfe anzunehmen bedeutet nicht, dass du versagt hast. Es zeigt vielmehr, dass du Verantwortung für dich selbst übernimmst und deine eigenen Grenzen ernst nimmst.

Was passiert, wenn sich nichts verändert?

Manchmal bringt auch ein Gespräch keine Verbesserung. Wenn du weiterhin das Gefühl hast, regelmässig vor der Klasse blossgestellt oder respektlos behandelt zu werden, solltest du dir weitere Unterstützung holen.

Schulen haben die Aufgabe, ein gute und faire Atmosphäre in den Schulhäusern zu sorgen, in dem sich Schülerinnen und Schüler auch sicher fühlen können. Deshalb gibt es Ansprechpersonen wie die Schulsozialarbeit, Vertrauenslehrpersonen oder die Schulleitung. Sie können gemeinsam mit dir überlegen, wie sich die Situation verbessern lässt.

Niemand erwartet von dir, dass du ein solches Problem alleine löst. Im Gegenteil: Sich Unterstützung zu holen, ist oft der wichtigste Schritt, damit sich etwas verändern kann.

Unser Tipp:
Wenn du weder in der Schule noch zu Hause jemanden findest, der dich in dieser schwierigen Situation unterstützt, dann helfen dir gerne auch externe Beratungsstellen weiter. Schau in unserer folgenden Adressensammlung nach, da findest du sicher eine gute Ansprechperson:
Beratungsstellen & Notfalladressen in der Schweiz - für Kinder, Jugendliche und Eltern

Respekt beginnt bei allen Beteiligten

Ein gutes Schulklima entsteht nicht von allein. Es wächst dort, wo Menschen einander zuhören, Fehler akzeptieren und respektvoll miteinander umgehen. Das gilt für Schülerinnen und Schüler genauso wie für Lehrpersonen.

Natürlich dürfen Lehrpersonen Kritik äussern. Sie sollen auf Fehler hinweisen, Leistungen beurteilen und Grenzen setzen. Kritik gehört zum Lernen dazu. Entscheidend ist jedoch, wie sie vermittelt wird.

Zwischen einer hilfreichen Rückmeldung und einer spöttischen Bemerkung besteht ein grosser Unterschied.

Eine gute Rückmeldung erklärt, was verbessert werden kann, ohne jemanden persönlich abzuwerten. Wer sich ernst genommen fühlt, ist eher bereit, Fragen zu stellen, Neues auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen.

Auch Lehrpersonen machen Fehler

Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass nicht jede Lehrperson gleich unterrichtet. Manche sind eher ruhig, andere scherzen viel, wieder andere wirken manchmal gestresst. Das ist ganz normal, denn auch Lehrpersonen sind Menschen.

Sie stehen oft unter Zeitdruck, unterrichten mehrere Klassen pro Tag und müssen viele unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen. Das kann erklären, warum gelegentlich eine unüberlegte Bemerkung fällt. Eine Erklärung ist jedoch keine Entschuldigung für begangenes Unrecht.

Wenn eine Aussage jemanden verletzt, muss darüber gesprochen werden dürfen. Niemand verliert sein Gesicht, weil er sich entschuldigt oder sein Verhalten überdenkt. Im Gegenteil: Wer bereit ist, eigene Fehler einzugestehen, zeigt Stärke und schafft Vertrauen.

Du bist mehr als eine falsche Antwort

Vielleicht hat dich eine Bemerkung einer Lehrperson so stark getroffen, dass du begonnen hast, an dir selbst zu zweifeln. Genau dann ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass ein einzelner Moment nichts darüber aussagt, wer du bist oder was du kannst.

Jeder Mensch erlebt Situationen, in denen etwas schiefläuft. Vielleicht vergisst du ein Referat, schreibst eine schlechte Prüfung oder gibst eine falsche Antwort. Das passiert allen irgendwann.

Viel wichtiger ist, wie es danach weitergeht. Lässt du dich entmutigen oder findest du den Mut, es noch einmal zu versuchen?

Lernen bedeutet nicht, alles sofort richtig zu machen. Lernen bedeutet, Schritt für Schritt besser zu werden.

Kurz zusammengefasst

Wenn dich Bemerkungen einer Lehrperson regelmässig verletzen oder du das Gefühl hast, vor der Klasse blossgestellt zu werden, solltest du deine Gefühle ernst nehmen. Sprich mit einer Person, der du vertraust, und suche das Gespräch mit deinem Lehrer/deiner Lehrerin, wenn es sich für dich richtig anfühlt. Gegenseitiger Respekt, Fairness und ein wertschätzender Umgang sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Lernen gelingen kann.

Häufige Fragen

Darf eine Lehrperson Witze machen?

Ja. Humor kann den Unterricht bereichern und eine angenehme Stimmung schaffen. Wichtig ist jedoch, dass dabei niemand lächerlich gemacht oder ausgegrenzt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Humor und Sarkasmus?

Humor bringt Menschen gemeinsam zum Lachen. Sarkasmus ist stets spöttisch gemeint und geht meist auf Kosten einer anderen Person. Entscheidend ist nicht nur, was gesagt wird, sondern auch, wie es gesagt wird und wie es bei der betroffenen Person ankommt.

Was kann ich tun, wenn ich mich nicht traue, mit der Lehrperson zu sprechen?

Du musst ein solches Gespräch nicht alleine führen. Wende dich an eine Vertrauensperson, an die Schulsozialarbeit oder an deine Eltern.

Hilfe findest du auch in unserer Adresssammlung von Beratungsstellen.

Bin ich zu empfindlich, wenn mich ein Kommentar verletzt?

Nein. Menschen erleben dieselbe Situation unterschiedlich. Wenn dich eine Bemerkung sehr belastet oder dein Selbstvertrauen beeinträchtigt, sind deine Gefühle berechtigt jederzeit ernstgenommen zu werden.

Für Dich schwierige Situationen musst du stets ernst nehmen und dir die dafür nötige Unterstützung holen.

Abschlussgedanken

Die meisten Lehrpersonen versuchen stets mit ihren Schülerinnen und Schüler fair zu sein, ihnen Wissen zu vermitteln und sie auf ihrem Lernweg ermunternd zu begleiten. Trotzdem können Worte manchmal anders ankommen, als sie gemeint waren. Gerade deshalb lohnt es sich, Missverständnisse frühzeitig anzusprechen, statt sie still mit sich herumzutragen.

Falls du dich durch eine Lehrperson regelmässig verletzt, ausgelacht oder vor der Klasse blossgestellt fühlst, musst du das nicht einfach hinnehmen. Rede mit einer Person, der du vertraust, und hole dir Unterstützung, wenn du sie brauchst. Oft gibt es Lösungen, die man alleine gar nicht sieht.

Beratungsstellen & Notfalladressen in der Schweiz - für Kinder, Jugendliche und Eltern

Vor allem aber solltest du eines nie vergessen: Dein Wert hängt nicht von einer einzelnen Bemerkung, einer schlechten Note oder einer falschen Antwort ab. Jeder Mensch macht Fehler – und genau daraus entstehen Erfahrungen, Selbstvertrauen und neues Wissen. Schule sollte ein Ort sein, an dem du dich sicher fühlen, Fragen stellen kannst und die Chance bekommst, dich weiterzuentwickeln. Genau dazu gehört ein gegenseitiger respektvoller Umgang – jeden Tag und für alle.

Webtipp von netz-familie.ch

Diskutiere in unserem Schülerforum mit:
Wenn Lehrpersonen Sarkasmus als Erziehungsmittel einsetzen – Was Du darüber wissen solltest


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