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Hassgefühle gegenüber den eigenen Kindern – Ein Ratgeber für Eltern

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Wenn Eltern sich selbst erschrecken

Elternschaft ist oft eine emotionale Achterbahnfahrt. Neben Liebe und Freude können auch negative Gefühle wie Wut, Ohnmacht oder sogar Hass auftreten. Diese Gefühle sind ein Tabuthema, doch sie kommen häufiger vor, als viele denken. Wichtig ist: Sie sind damit nicht allein, und es gibt Wege, damit umzugehen.

So können Hassgefühle entstehen

Um die Thematik greifbar zu machen, finden Sie hier typische Situationen, in denen Hassgefühle entstehen können:

Bei Kleinkindern:

  • Ihr Kind schreit stundenlang ohne ersichtlichen Grund, Sie fühlen sich ausgelaugt und hilflos.
  • Nach einer schlaflosen Nacht wirft Ihr Kind absichtlich das Frühstück auf den Boden, Sie spüren eine Welle von Frust.
  • Ihr Kind klammert ständig und lässt Sie keine Minute allein, Sie sehnen sich nach Ruhe.

Bei Schulkindern:

  • Ihr Kind verweigert regelmäßig die Hausaufgaben, Sie fühlen sich machtlos und nicht ernst genommen.
  • Ihr Kind provoziert Sie gezielt mit frechen Antworten, Sie spüren Wut und Enttäuschung.
  • Ihr Kind streitet ständig mit Geschwistern, Sie fühlen sich überfordert und gereizt.

Bei Jugendlichen:

  • Ihr Teenager ignoriert Absprachen, kommt zu spät nach Hause und lügt Sie an, Sie fühlen sich respektlos behandelt.
  • Ihr Kind zieht sich komplett zurück, spricht kaum noch mit Ihnen, Sie erleben Ablehnung und Hilflosigkeit.
  • Ihr Kind verletzt Sie im Streit mit harten Worten wie „Ich hasse dich!“, Sie spüren Schmerz und Wut.

 

Diese Situationen zeigen: Hassgefühle entstehen oft in Momenten starker Überforderung, Enttäuschung oder Ohnmacht.

 

Eigene Hassgefühle

Hassgefühle sind somit ein Zeichen für tiefe Überforderung und meist auch ein Hinweis auf unerfüllte eigene Bedürfnisse. Je nach Alter der Kinder können die Ursachen hierfür unterschiedlich sein:

Bei Kleinkindern:

  • Dauerhafte Überforderung: Ständiges Schreien, wenig Schlaf, kaum Zeit für sich selbst.
  • Fehlende Kontrolle: Kleinkinder lassen sich oft nicht „steuern“, was zu Hilflosigkeit führt.
  • Isolation: Wenig Austausch mit anderen Erwachsenen, Gefühl, alles allein tragen zu müssen.

 

Bei Schulkindern:

  • Wachsende Anforderungen: Schule, Hausaufgaben, Freizeitstress.
  • Konflikte um Regeln: Kinder testen Grenzen aus, Eltern fühlen sich hinterfragt.
  • Vergleich mit anderen Familien: Das Gefühl, anderen gelingt alles besser.

 

Bei Jugendlichen:

  • Ablösung und Rebellion: Jugendliche suchen ihren eigenen Weg, Eltern erleben Ablehnung.
  • Kommunikationsprobleme: Gespräche werden schwieriger, Missverständnisse häufen sich.
  • Verlust von Kontrolle: Eltern können nicht mehr alles beeinflussen, was Unsicherheit erzeugt.

 

In allen Altersstufen verstärken Stress, Schlafmangel, fehlende Unterstützung und hohe eigene Ansprüche die Entstehung negativer Gefühle.

 

Sich selber verstehen lernen

Der erste Schritt ist, die eigenen Gefühle ehrlich wahrzunehmen und diese zu akzeptieren. Fragen Sie sich:

  • Was genau löst meine starken Emotionen aus?
  • Gibt es bestimmte Situationen, die mich besonders belasten?
  • Welche meiner eigenen Bedürfnisse kommen zu kurz?
  • Gibt es unverarbeitete Erlebnisse aus meiner Vergangenheit, die mich beeinflussen?

 

Selbstreflexion und das Annehmen der eigenen Gefühle sind wichtige Schritte, um aus der Überforderung herauszufinden. 

 

10-Punkte-Programm zur Bewältigung von Hassgefühlen

Hier finden Sie konkrete Strategien und praktische Beispiele zur Anwendung im Alltag:

1. Gefühle erkennen und benennen

Strategie: Sagen Sie sich ehrlich, was Sie fühlen, ohne sich dafür zu verurteilen. Beispiel: „Ich bin gerade so wütend, dass ich mein Kind am liebsten anschreien würde. Das erschreckt mich, aber ich nehme es wahr.“

2. Akzeptanz üben

Strategie: Akzeptieren Sie, dass solche Gefühle vorkommen dürfen. Sie machen Sie nicht zu schlechten Eltern. Beispiel: „Es ist okay, dass ich mich gerade überfordert fühle. Viele Eltern erleben das.“

3. Atempausen einlegen

Strategie: Verlassen Sie in akuten Situationen kurz den Raum, atmen Sie tief durch. Beispiel: Ihr Kind schreit, Sie spüren die Wut aufsteigen. Sie sagen: „Ich brauche kurz eine Pause“ und gehen ins Bad, atmen zehnmal tief durch.

4. Eigene Bedürfnisse wahrnehmen

Strategie: Fragen Sie sich regelmäßig: Was brauche ich gerade? Beispiel: Sie merken, dass Sie erschöpft sind. Sie bitten Ihren Partner, für eine halbe Stunde zu übernehmen, damit Sie sich ausruhen können.

5. Unterstützung suchen

Strategie: Sprechen Sie mit Partnerinnen, Freundinnen oder Beratungsstellen über Ihre Gefühle. Beispiel: Sie rufen eine vertraute Person an und erzählen offen von Ihrer Überforderung.

6. Austausch mit anderen Eltern

Strategie: Suchen Sie das Gespräch mit anderen Eltern, um zu merken: Sie sind nicht allein. Beispiel: Sie nehmen an einer Elternrunde teil oder tauschen sich im Elternforum von netz-familie.ch aus.

7. Eigene Ansprüche hinterfragen

Strategie: Überlegen Sie, ob Ihre Erwartungen an sich selbst realistisch sind. Beispiel: Sie erlauben sich, auch mal Fehler zu machen und nicht immer perfekt zu reagieren.

8. Positive Momente bewusst wahrnehmen

Strategie: Führen Sie ein Dankbarkeitstagebuch oder halten Sie schöne Erlebnisse mit Ihrem Kind fest. Beispiel: Abends notieren Sie drei Dinge, die heute gut gelaufen sind – auch kleine Fortschritte zählen.

9. Professionelle Hilfe annehmen

Strategie: Scheuen Sie sich nicht, therapeutische Unterstützung zu suchen, wenn Sie alleine nicht weiterkommen. Beispiel: Sie vereinbaren einen Termin bei einer Beratungsstelle oder nutzen das Online-Beratungsangebot von netz-familie.ch.

10. Selbstfürsorge fest einplanen

Strategie: Planen Sie regelmäßig kleine Auszeiten und Erholung ein. Beispiel: Sie nehmen sich jeden Tag 15 Minuten Zeit nur für sich – zum Lesen, Spazierengehen oder Musik hören.

Sie sind nicht allein

Hassgefühle sind ein Warnsignal – nicht für Ihr Versagen, sondern für Ihre Überforderung. Es ist mutig, sich damit auseinanderzusetzen und Hilfe anzunehmen. Das Team von netz-familie.ch steht Ihnen vertrauensvoll zur Seite. Im Elternportal finden Sie weitere Informationen, Austauschmöglichkeiten und unser kostenloses Online-Beratungsangebot. Gemeinsam schaffen wir eine familiäre Atmosphäre, in der Vertrauen und Engagement wachsen können. 💚

 

BenK

 


Infobox zum Redaktionsteam: Alle Forenbeiträge werden von Fachpersonen unseres Vereins moderiert. Weitere Infos zu unseren einzelnen Autoren und ihren Qualifikationen findest du auf folgender Seite: „Redaktionsteam“.

 
Veröffentlicht : 27/08/2025 12:38 p.m.
Slider
(@slider)
Beiträge: 7
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Hey zusammen

Ich bin selber Jugendlicher und musste beim Titel zuerst schlucken. Irgendwie ist es schon ein komisches Gefühl, wenn man liest, dass Eltern manchmal solche Gedanken haben können.

Auf der anderen Seite glaube ich, dass viele Jugendliche gar nicht merken, wie viel Druck manche Eltern haben. Schule, Freizeit, Freunde und Probleme beschäftigen uns, aber Eltern tragen oft die Verantwortung für alles Mögliche gleichzeitig - (früher hätte ich dies nie gesagt :-))

Natürlich möchte niemand hören, dass die eigenen Eltern manchmal genervt oder sogar wütend auf einen sind. Aber ich finde es besser, wenn darüber offen gesprochen wird, als wenn alle so tun, als gäbe es solche Gefühle gar nicht.

Bei uns zu Hause gab es auch schon Phasen mit viel Streit. In solchen Momenten denken wahrscheinlich beide Seiten Dinge, die sie später gar nicht mehr so meinen.

Am wichtigsten finde ich, dass man trotzdem miteinander redet und sich nicht komplett voneinander entfernt. Die meisten Jugendlichen wollen nämlich nicht ständig streiten, auch wenn es manchmal so aussieht.

Grüsse Slider


 
Veröffentlicht : 06/06/2026 11:09 a.m.
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Januar 11, 2024

Tolle sache!

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Juna

Liebevoll gestaltete Website

Dezember 31, 2023

Sehr schön gestaltete Webseite! Die verwendeten Bilder sprechen einen sofort an. Danke!

Amira

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Amira


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